02 Dezember 2006

Abreise.
Die letzten Wochen haben wir entweder ohne Strom, oder ohne Internetverbindung, oder ohne sowohl als auch, dafuer mit sehr viel Regenwasser verbracht ...
Die Regenzeit wurde uns zur taeglichen Gewissheit.
Die stromlosen Tage haben ein bisschen Ruhe einkehren lassen. Aufwachen mit der Sonne, dafuer frueh zu Bett. Beim Kaminfeuer sitzen, um die Naesse aus dem Wohnzimmer und aus den Knochen zu vertreiben. Kochen auf dem Jiko (Holzkohleofen) ... Naja, so wie eben die meisten Leute leben dort oben in den Bergen.
Jetzt bin ich wieder in Njombe. Gestern morgen bin ich endgueltig aus Bulongwa abgereist.
Einen Tag davor ist Rainer in Lupaso angekommen. Mit Vicky Ntetema. Es gab eine BBC-Live-Schaltung mit Kindern aus Nairobi. Die Kinder haben ihre Gedanken ausgetauscht und per Radio dem Praesidenten Fragen gestellt. Zum Beispiel, warum er nicht selber auch ein paar von den vielen AIDS-Waisenkindern bei sich aufnimmt. Das haette sicherlich Vorbildwirkung. Und die Kinder muessten dann nicht im Waisenhaus leben, sondern koennten in einer Familie aufwachsen.
Zur gleichen Zeit haben sich die PIUMA-leaders in Lupaso im schoenen PIUMA-Office getroffen, um Rainer zu begruessen, und auch um mir Auf Wiedersehen zu sagen.
Rainer hat dargestellt, wie eine zukuenftige "Zusammenarbeit" zwischen dem EAWM, den Freunden von Highlandshope in Kanada und PIUMA ausschauen kann. PIUMA ist mehr und mehr gefordert, selbst Verantwortung zu uebernehmen, zu zeigen, dass sie vertrauenswuerdige Partner sind und dass sie sich nicht zuruecklehnen und drauf warten, dass ihnen geholfen wird, sondern dass sie selbst das Ruder in die Hand nehmen. Wir hingegen muessen lernen, uns an die Geschwindigkeit PIUMA's anzupassen. Mit unseren europaeischen, nordamerikanischen Vorstellungen von "Erfolg" und "Progress" sind wir da sehr oft fehl.
Erfolg fuer mich ist, wenn ich sehe, dass Jonny, die Eingaben-Ausgaben-Buecher nun ganz alleine macht, und Amini - die auch zum finance-team gehoert - erklaert, wie sie die einzelnen Belege einordnen muss, was wohin geschrieben gehoert. Und ich, ich komm dann nur zum Schluss vorbei und wir zaehlen gemeinsam die Kassa, um zu ueberpruefen, ob das Ergebnis auch stimmt. Ich glaube, Jonny ist um vieles selbstbewusster geworden. Gerhard und ich haben oft versucht, ihn davon zu ueberzeugen, dass seine Ansichten, seine Kritikpunkte sehr gut sind, und dass er sie ruhig auch vor dem versammelten leader-team aeussern kann und soll!
Erfolg ist, wenn sich Wema von der Familie ihres Mannes nicht mehr unterdruecken laesst, und ihnen ihre Meinung sagt. Vor einem Jahr, sagt sie, haette sie ihnen wohl Recht gegeben, sich schuechtern zurueckgezogen und nicht aufgemuckt. Aber heute, nein, heute kann sie das nicht mehr! Dafuer hat sie zuviel gelernt, seitdem sie General Secretary von PIUMA ist.
Erfolg ist, wenn Veneranda das Waisenhaus endgueltig verlassen hat! Sie wohnt seit zwei Monaten in Njombe bei Betty Liduke's Schwester und hat die Aufnahmepruefung fuer die Secondary School mit Bravour bestanden! Jetzt geht sie schon in eine Vorbereitungsklasse und ab Jaenner startet sie das neue Schuljahr. Es geht ihr ausgezeichnet. Ihre CD4-Werte sind wieder im Steigen. Das ist sicher nicht nur auf ARV's und vorruebergehende Intensiv-Antibiotika-Behandlung zurueckzufuehren. Sie hat einen Platz gefunden. Einen Platz, wo sie warme Fuersorge erfaehrt. Ich freue mich darauf, sie heute Abend bei Betty zu sehen.
Erfolg ist, wenn die Police-officers, welche die Verhaftungen von Edwind David oder Jackson Mbogela veranlasst haben, ihres Amtes enthoben wurden.
Erfolg ist, wenn verschiedene Minister in den Zeitungen oeffentlich kritisiert werden, und der Praesident aufgefordert wird, diese zu entlassen.
People Living With HIV/AIDS haben eine Chance - ueberall auf der Welt! PIUMA hat eine Chance! Und, ich denke, Tansania ebenso.
Ihr alle seid in meinem Herzen. Und ich werde ausfuehrlich verfolgen, was weiterhin geschieht.

1 Comments:

Blogger EAWM said...

Liebe Judith,

Ich habe sehr an Euch alle gedacht am gestrigen Welt Aids Tag. Mir wird warm ums Herz, wenn ich die vielen kleinen positiven Schritte lese, die PIUMA und die einzelnen Mitglieder machen.
Es ist mir aber auch ein Bedürfnis Dir schon jetzt ein großes DANKE im Namen des EAWM für dein Engagement und deine gezeigte Empathie zu sagen !
Tuta onana badai - asante sana

Gottfried

11:35 AM  

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